Rund
um den Marktplatz, den Piata Mare, stehen einige der architektonisch schönsten
Bürgerhäuser, die von der deutschen Geschichte und Kultur der
Stadt zeugen
Wir überqueren den Marktplatz und die Lügenbrücke, jene
berühmte kleine Brücke, die der Sage nach zusammenbrechen soll,
wenn ein Lügner sie betritt sie hält! Weiter gehts,
hinüber zur evangelischen Pfarrkirche, die aus dem 14. Jahrhundert
stammt und sonntags Treffpunkt der deutschen Gemeinde ist. Ihr gegenüber
befindet sich das deutsche Gymnasium, das 1380 erstmals Erwähnung
findet und in dem auch heute noch unterrichtet wird
Marktzeit wir benötigen Verpflegung für
die nächsten Tage auf dem Fluss. In der Unterstadt ist Wochenmarkt.
Siebenbürgen ist ein Agrarland. Aus dem Umland sind die Bauern und
Zigeuner in die Stadt gereist und bieten ihre Waren an. Berge von Melonen,
Knoblauchzöpfen gegen Vampire, frische Pfirsiche, Käse und duftende
Kräuter verteilen sich über die Marktfläche. Überall
wird gehandelt und gefeilscht. Mit einem dicken Bündel Lei in der Hand
(10.000,00 Lei = 1,00 DM) und den Auftrag, Käse, Obst oder Gemüse
zu kaufen stürzen wir uns ins Gewühl.
Unsere Ausbeute nach zähen rumänischen Verhandlungen: zwei riesige
Wassermelonen, zwei Kilo Pflaumen, Äpfel und eine große Stiege
Pfirsiche
14.30 Uhr: Wir verlassen Herrmannstadt. Am
Bahnhof steht unser Zug, der uns nach Avrig an den Fuß der Karpaten
bringen soll, den Ausgangspunkt unserer Floßfahrt. Gemächlich
zuckelt der Zug durch die grünen Ebenen, den Karpatengipfeln entgegen.
Oftmals führen nur schmale Feldwege an die Gleise, wo die Menschen
stehen, um vom Zug mitgenommen zu werden. Hühner kreuzen unseren Weg,
picken zwischen den Schienen und werden zu Verkehrsopfern
Gegen 16.00 Uhr erreichen wir Avrig, einer Zigeunerstadt am Rande des Karpatenbogens.
Wir verlassen den Zug und werden von neugierigen Zigeuneraugen beobachtet.
Auf uns warten zwei Pferdefuhrwerke, vor die je ein klappriger, abgemagerter
Gaul gespannt ist. Man gibt uns zu verstehen, dass wir die Wagen besteigen
sollen, die Gäule würden das schon schaffen. Das kann nicht gut
gehen! Als den Gäulen schließlich der Schaum vor den Mäulern
steht, heißt es absitzen und marschieren, auch wenn die Zigeuner säuerlich
dreinblicken, denn ihnen geht gerade ein dickes Bündel Lei flöten
gegangen...