Dann
deutet Robert auf ein Felsplateau, auf dem sich kaum erkennbar ein weißes
Gebäude abzeichnet: die Zufallhütte. »Dort müssen
wir nauf« bedeutet uns Robert; zu Fuß wohlgemerkt. Und
so bewältigen wir zu Fuß! unsere ersten 200 Höhenmeter
hinauf zur Hütte. Die Zufallhütte liegt auf 2.265 m und ist
unser Quartier für die nächsten drei Tage. Nach 30 Minuten ist
geschafft. Wir lassen uns erst einmal auf der Terrasse der Hütte
nieder und genießen bei einem »kühlen Hellen« das
grandiose Alpenpanorama
Jetzt beginnen wir zu verstehen, weshalb das
Martelltal als eines wildromantischsten aller Tiroler Bergtäler und
bei Wanderern und Bergsteigern als absoluter Geheimtip gilt. Um uns herum
nichts als Berge, rauschende Wasserfälle, bläulich glänzende
Gletscher, schneebedeckte Gipfel, allesamt über 3.000 Meter hoch, überragt
von einem »Monsterberg«, dem Cevedale. Respekt, Respekt! Gut,
dass wir Robert dabei haben, unseren Bergführer, irgendwo in den Vierzigern
und Leiter der Bergsteigerschule Meran. Die hat er vor etlichen Jahren mit
einem Freund ins Leben gerufen, seinen Job als Buchdrucker in Bozen an den
Nagel gehängt, und macht sich seitdem auf die Suche nach abenteuerlustigen
Menschen, die sich ihm in den Bergen anvertrauen. Fünf haben sich gefunden:
wir
Dann wird Quartier bezogen. Gut, dass wir
reserviert haben, denn die Hütte ist ausgebucht. Im Hüttenvorraum
stapeln sich die Bergschuhe und Wanderstöcke, es wird gefachsimpelt
über Lederfett und das Wetter. Ein Mittsechziger aus Sachsen, dessen
Bekanntschaft wir bereits im Bus machen durften und den wir auch im Taxi
nicht abschütteln konnten, läuft ständig mit seiner Videokamera
umher und verkündet jedem stolz, dass er vor der Wende bereits in den
Dolomiten geklettert ist doll!!! Auch wenn sich hier oben allerhand
ulkiges Volk aller Altersklassen versammelt hat, so hat Robert mit der Zufallhütte
doch eine wirklich gute Wahl getroffen. Statt im muffigen Matrazenlager
nächtigen wir in komfortablen Zwei- bzw. Dreibettzimmern mit fließend
Wasser, statt Dosenfutter und Instant-Tütensuppe tischt der Hüttenwirt
uns am Abend in der Gaststube ein Drei-Gänge-Menue auf und warme Duschen
gibt es auch. Männer, das Abenteuer kann beginnen