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 Zweiter
Tag, würzige Waldluft strömt durch das geöffnete Fenster
ins Zimmer, draußen geht die Sonne über den Nonnenspitzen auf;
es verspricht wieder ein traumhafter Tag in den Bergen zu werden. Um 8.00
Uhr scharren wir vor der Hütte bereits mit den Hufen und sind abmarschbereit.
In der Nacht hat es geregnet, überall in den Hängen gluckert
und gluckst es, sammelt sich das Wasser, um über den Wanderweg talwärts
zu fließen
Wir folgen dem komfortabel ausgebauten Höhenweg, der oberhalb des
rauschenden Plimabaches entlangführt, der von schmelzendem Gletscherwasser
aus dem Cevedale-Massiv gespeist wird. Der Weg steigt nicht allzu steil
an und führt an den Überresten des Klösterle, wahrscheinlich
einem ehemaligen Hospiz, vorbei. Der Muskelkater der gestrigen Tour ist
fast vergessen beim Anblick dieser wildromantischen Bergwelt, mit ihren
blühenden Almenwiesen und den alles beherrschenden Gletschern, die
bläulich in der Sonne glänzen. Auf der gegenüberliegenden
Seite können wir eine Seilschaft beobachten, die gerade die Veneziaspitzen
überquert. Dann stoßen wir auf die ersten Bergbewohner: Schafe,
die hier oben auf den Weiden den Sommer verbringen, deren Glocken durch
das Tal schallen und die uns aus großen Augen fragend anglotzen
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Schließlich verlassen wir den Steig, der zu den Gletschern des
Cevedale hinaufführt, und biegen nach rechts in das Butzental ein,
an dessen Ende sich die Madritschspitze, unser heutiges Etappenziel, auftürmt.
Erst geht es noch über saftige Wiesen (Vorsicht, Schafscheiße!),
dann überschreiten wir die 2.800-Meter-Marke und stoßen auf
die ersten Schneefelder, als im Westen dunkle Wolken aufziehen und es
sich mit einem Mal deutlich abkühlt. »Gewitter« meint
Robert beiläufig, »die ziehen hier in den Bergen nachmittags
oft auf«. Prima, vor unserem geistigen Auge sehen wir bereits die
Schlagzeilen in Deutschland: »Deutsche Bergsteigergruppe vom Blitz
ans Gipfelkreuz genagelt«
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